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26.05.2013

Was ist für Sie eigentlich ein perfekter Sonntag?, 26.05.2013

Rede von Katrin Göring-Eckardt im Rahmen der Vortragsreihe „Die 10 Gebote: „Du sollst den Feiertag heiligen!“ in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg am 22. Mai.

 

—————————- Es gilt das gesprochene Wort —————————-

 

Was ist für Sie eigentlich ein perfekter Sonntag?

 

Am liebsten würde ich antworten: das sind Sonntage, an denen nicht am Schluss noch solche Fragen im Wichtig-Ordner der Emails rumliegen, weil sie bis Montag früh bei der Redaktion der Kirchenzeitung sein müssen.

 

Was also ist ein perfekter Sonntag?

 

Nun, jede hier hat mit Sicherheit eine klare Vorstellung davon. Es soll Zeit sein, die Kinder sollen nett sein und bestimmt auch zum Familienfrühstück aufgestanden. Oder die Großen sollen zu Besuch kommen. Oder es soll bitte gar niemand kommen und alle, die da sind, sollen bitte nichts wollen, damit endlich einmal Ruhe ist.

 

Oder es soll bitte gutes Wetter sein, damit man mit dem Rad oder hier in HH wohl wahlweise mit dem Boot raus kann, um möglichst viel Grün und Himmel und Wasser zu sehen.

 

Oder es soll möglichst regnen, damit ich mich verkriechen kann, hinter dem Buch verstecken und in der Badewanne liegen bis das Wasser doch zu kalt ist. Oder ich hoffe, endlich mal nicht allein zu sein. Ich würde so gern einen Kuchen backen und teilen, aber wen kann ich einladen? Eigentlich sind die Anderen ja alle eingebunden und gut versorgt und nur ich sitze hier allein, man will sich ja nicht aufdrängen.

 

Oder doch Sonntag, der perfekte Tag, um Dinge abzuarbeiten, zu denen man  sonst nicht kommt?

 

Da kann ich mir in Ruhe Gedanken machen, da kann ich an Formulierungen feilen, da kann man frei und heiter, bei Musik Ideen haben, die mir im Alltag  niemals einfallen.

 

Sonntags, das ist der Tag für den Garten, jäten und pflanzen, ernten und graben.

 

Sonntag, das ist der Tag für ein ausführliches Sportprogramm. Da kommt man ja in der Woche nicht dazu. Sonntags, da treff ich Freunde, wir nehmen uns was vor, endlich mal was erleben, nicht das graue Einerlei.

 

Sonntag gehört ganz den Kindern, sonst trifft man sich ja maximal zum Abendessen in Hektik.

 

Sonntag, Gottesdienst natürlich. Und wie schön, wenn der morgens um zehn ist, da fängt der Tag gut und geistlich an, danach bin ich erbaut und heiter.

 

Sonntag, Gottesdienst, eigentlich, aber irgendwann muss ich auch mal ausschlafen können. Es bleibt der im Radio, nicht immer schlecht, aber gekoppelt mit Honigbrötchen und Schlafanzug eben doch entspannter, als gescheitelt und schick in der Kirchenbank.

 

Das ist das Ergebnis einer vollkommen unrepräsentativen Umfrage in meinem vollkommen unrepräsentativen Umfeld.

 

Natürlich erwarten alle ganz unterschiedliches QAA, der Alltag und die Situation sind ja auch unterschiedlich.

 

Ausnahmslos wollen aber alle, dass der Sonntag eben anders ist, eigentlich ganz anders als die anderen Tage.

 

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ – so heißt es im ersten Vers der Bibel (1. Mose 1,1). Das Ende des Schöpfungswerks am siebten Tag ist der Sabbat, zu dem es in 1. Mose 2,2 heißt: „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. 3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“

 

Von der Schöpfung und ihrem Abschluss im Sabbat ergab sich die Aufforderung an den Menschen, den Sabbat als Ruhetag Gottes dadurch zu heiligen, dass sie ihn ebenfalls als Ruhetag begehen. So heißt es in den Zehn Geboten, wie sie im 2. Buch Mose festgehalten sind (2. Mose 20,8-11): „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“

 

Eine andere Begründung erfuhr das Sabbatgebot im 5. Buch Mose. In der dort festgehaltenen Fassung der Zehn Gebote wurde auf den Auszug aus Ägypten zurückgeblickt und damit dem Sabbat eine soziale Dimension zugewiesen (5. Mose 5,12-15): „Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleich wie du.

 

Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.“

 

Den Sonntag heiligen. Was heißt das also? Ich will es mit drei Schritten versuchen: heiligen heißt unterbrechen; ansehen; feiern

 

 

Heiligen ist Unterbrechung

 

Es geht um Unterbrechung, es geht um Aus-Zeit, es geht um Zeit überhaupt.

 

Der Sonntag ist ein Geschenk für uns, 321 hat Kaiser Konstantin ihn zum Ruhetag erklärt. Aber wir behalten als Christinnen und Christen das Geschenk nicht für uns, wir können, wir dürfen es weiter geben. Sonntag als Zäsur. Der Sabbat als Erinnerung an die Befreiung aus Ägypterland, eine Freiheit, die Freiheit, die uns heilig ist,

 

Jetzt gibt es etwas, dass wir dann sollen, noch viel mehr aber, was wir nicht tun dürfen. Im Mietshaus auch nur einen Nagel einschlagen zum Beispiel dürfen wir nicht, oder nur, wenn wirklich ein großes Maleur passiert war und wir es nur in diesem Moment mit einem Nagel beheben können. Rasenmähen ist auch tabu. Jedenfalls, falls das ein Anderer hören kann. Ebenso trompeten, Stepptanzüben oder Kinder anschreien sind nicht gestattet.

 

Wir sollen aber in den Gottesdienst gehen? Gibt es hier eigentlich diese Stempel für den Gottesdienstbesuch der Konfirmandinnen? Etwas lästig abzuarbeiten. Eine Pflicht, die davon abhält, lauter schöne Dinge zu tun. Oder eben einfach endlich auszuschlafen, nach der Party. Trotzdem ist das bisschen Einüben natürlich gut. Und mit 30 erinnert man sich dann an diese wunderbare ruhige Stunde.

 

Ich selbst zum Beispiel liebe es, nicht ansprechbar zu sein, eine ganze Stunde lang, mit Abendmahl 1,10. Man kann simsen, mailen, anrufen, soviel man will, diese Stunde bin ich so erreichbar wie sonst nie, aber eben nicht für die Welt da draußen, sondern für die Welt da drin.

 

Vielleicht soll ja auch gar nicht ich den Sonntag heiligen, sondern ich heilige ihn mir und damit dann auch anderen, denn auch deine Tochter, dein Knecht sollen kein Werk tun, heißt es im ersten Mosebuch.

 

Das also ist das Geschenk an die Anderen, das Geschenk, das wir weitergeben. Wenn VERDI und die Kirchen Seit an Seit für den freien Sonntag kämpfen, mag das zuerst ein wenig eigentümlich anmuten, aber es ist eben genau das.

 

Der Sonntag ist auch ein Geschenk der Christenheit an die Welt. Und anders ist es freilich auch nicht mit dem Freitag in der Kultur der Muslime oder dem Sabbat im Judentum.

 

Mit Geschenken allerdings kann man dann machen, was man will. Dass wir uns dann strenge Regeln geben, die das Zusammenleben an Ruhetagen ordnen, gehört in der säkularen Welt dazu.

 

Wer anfängt Vorschriften darüber zu machen, wie das wohl am Besten ginge, mit dem Unterbrechen wird schon mit den ersten Sätzen scheitern. Bei den Einen muss schließlich die Ruhe und Einsamkeit unterbrochen werden. Bei den Anderen die Hektik und Betriebsamkeit. Ich muss noch eben 144 Mails checken und da noch eben die Welt retten dann bin ich da. Genau so ist es eben nicht.

 

Am Karfreitag in diesem Jahr habe ich einen Tweet versandt. 140 Zeichen standen zur Verfügung. Ein Kurzgedanke, mitunter versieht man ihn mit Verweisen oder mit Anspielungen per Hashtag, also dem schräggestellten Doppelkreuz. Mein Tweet war allerdings ohne jeden Schnörkel. Heute ist Karfreitag. Ruhe. Ich diskutiere hier gern wieder nach Ostern. In quasi Lichtgeschwindigkeit, so schnell konnte ich gar nicht ausschalten, folgte die erste Antwort: Wie, auch nicht über das Tanzverbot an Karfreitag? Nein, auch und gerade dazu nicht, obschon es doch so gut gepasst hätte.

 

Das war ein ruhiges Ostern und mein Twitterkanal war voll von Menschen, die sich aufregten und solchen, die das Pause machen würdigten und solchen, die sich darüber ebenso heftig aufregten.

 

Es gab wohl Zeiten, in denen war es unschicklich, beim Abendessen in Gesellschaft auf die Uhr zu sehen. Heute hat man am Tisch immer gleich eine kleine Multimediakonferenz. Und keiner weiß genau, ob der andere nicht gerade twittert, was es zu essen gab und gerade keine Kohlenhydrate isst. Unterbrechung scheint nicht möglich. Jetzt finden sich freilich sehr schlaue Leute, die über gutes Benehmen reden und darüber, wie schön es doch ist, etwas gemeinsam zu erleben, ohne abgelenkt zu sein, sich abzulenken. Freiwillig ja. Aber weil wir ja beim Sonntag sind, will ich diejenigen an die fürchterlich öden Sonntagsspaziergänge mit den Eltern erinnern.

 

Wie gut, wenn man dann als Halbwüchsige (was für ein Wort) wenigstens noch nebenher an der digitalen Bushaltestelle rum hängen und mit den Freundinnen quatschen kann.

 

Und wie furchtbar wäre es, das große hin und her der Verabredungen zu verpassen. Ich könnte mich um 17 Uhr mit Madeleine und Susi am Heinrichplatz verabreden, dann würden wir zum Park gehen und mal sehen, was da so los ist. Ich könnte aber auch Franz und die Clique im Park treffen und dann würden wir zum Heinrichplatz gehen und schauen, ob zumindest Susi noch da ist. Wir könnten uns einfach locker im Cafe verabreden oder wir gehen zu Olga nach Hause. Da kann allerdings Susi auf keinen Fall mit. 17 Uhr ist auch eh eine blöde Zeit. So ähnlich, stundenlangens Abhängen im Netz. Das ist Chillen auf andere Art. Das ist Erholung in den Möglichkeiten des Kommenden.

 

Oder das ist der absolute Stress, weil es ja sein kann, dass man genau das passende, richtige, elementare doch verpasst, dass man einfach am Ende doch mit den falschen Leuten am falschen Platz war. Oder am Ende nirgendwo, weil man rausgeflogen war aus dem Verabredungspool.

 

Unterbrechen. Stell mal ab, das Ding. Geh mal Offline, verabrede dich per Telefon, mit Anrufen, so wie früher. Und schick keine SMS, ruf nicht an, weil du 10 Minuten zu spät bist. Der Andere merkt es schon, er hat das Radio an und hört die Staumeldung auch. Sie kennen das, wenn im Zug die Verspätung durchgesagt wird und alle, wirklich alle allen mitteilen, dass sie nun zu spät kommen, dass Anschlussreisende schuld sind oder ein technischer Defekt oder die Deutsche Bahn ganz allgemein. Unterbrechen Sie sich ruhig einmal. Bleiben sie ohne Leine.

 

Aber vielleicht ist ja eine ganz andere Unterbrechung noch viel entscheidender?

 

Unterbrich dein Denken, unterbrich dein Urteilen, denk noch einmal anders darüber nach. Nichts ist doch schöner und lohnender, als ein neuer Gedanke, als der Abschied von einem Vorurteil. Unterbrich deine Einschätzungen, deine Urteile. Verbann den Satz: Das haben wir immer schon so gemacht.

 

Was für eine gute Art den Sonntag zu heiligen. Die ganze Woche über habe ich mich über den Kollegen aufgeregt, der querschießen musste, mein Projekt klein redet, rummäkelt. Aber nun: Unterbrechung. Könnte er Gründe haben? Welche? Gibt es wirklich zu viele Ungereimtheiten? Gibt es Gründe in der Zusammenarbeit? Oder entstehen ihm einfach Probleme, die ich gar nicht im Blick hatte?

 

Die ganze Woche bin ich mit geschwommen auf einer Welle der Empörung über den Promi X, der wirklich jeden Maßstab verloren hat. Am Sonntag denke ich an meine eigenen schön aufgereihten Übertretungen, an meine verlorenen Maßstäbe und stelle fest: der bessere Mensch bin ich auch nicht.

 

Was für eine gute Art den Sonntag zu heiligen, einmal auszubrechen aus den üblichen Mustern, einmal die Seite zu wechseln. Nein, nicht für Pauli sein, wenn man genetisch HSV ist oder umgekehrt. Aber einmal Bürgermeister sein, in Gedanken und an die Elbphilharmonie denken. Einmal katholisch sein vielleicht, in Gedanken und an den Papst denken. Einmal einer mit türkischen Großeltern sein, in Gedanken und das Wort Schläfer hören. Einmal in Gedanken vor dem Hauptbahnhof ne Runde schmeißen und gar nichts denken.

 

Was für eine gute Art den Sonntag zu heiligen, ich unterbreche meine Gewohnheiten, gehe ein Abenteuer ein, überrasche meine Liebsten mit einem Gedicht und Brötchen von drei Straßen weiter, ein ganz anderer Morgen. Ich nehme den Weg um die Alster heute andersherum. Ich rufe tatsächlich die Nummer des Widersachers an, nur um ihm einen schönen Sonntag zu wünschen und meine das ehrlich. Ich bin zum Tatort nicht wieder zurück, weil die Abendsonne zu schön ist. Ich brauche heute keinen Sonntagsbraten, weil ich mich leicht fühl. Ich mache mir heute überhaupt nur gute Gedanken. Was für ein Quatsch. Was für ein Quatsch? Stimmt. Aber, es ist einen Versuch wert. Nur mal so.

 

II.

 

Heiligen heißt Ansehen

 

Gott hat also alles fertig gehabt, nach 6 Tagen und dann hat er auch am siebten Tag noch etwas getan. Erstens, er ruhte. Ja, Ruhen ist eine Tätigkeit. Das will erst mal gemacht sein. Haben sie schon einmal versucht, ein dreijähriges Kind zu bewegen, zu ruhen? Haben sie sich selbst schon einmal dazu gebracht, zu ruhen? Ja, ich weiß, ihnen fallen die Erschöpfungsphasen ein, nach denen gar nichts anderes geht, als zu ruhen. Oder ihnen fallen Yogaübungen ein oder Meditation. Aber all das meine ich nicht. Ich meine Ruhe ohne Anlass, ohne Anleitung, ohne Arg, ohne inneren Ansturm.

 

Ich meine die Ruhe, die nicht nur die vor dem Sturm, ich meine nicht die unvermeidliche, damit man aber danach sofort wieder loslegen kann. Ich meine einfach Ruhe. Ich meine Gelassenheit. Ich meine die Fähigkeit bei sich zu sein.

 

Die Möglichkeit Gott ins Herz zu lassen, weil da gerade ganz viel Raum ist und Zeit. Weil er nicht im hintersten Winkel auch noch da ist, als Lebensversicherung, als Schutz und Halt, sondern so richtig als Herz-Besetzer.

 

Oder geht das gar nicht? Oder geht das nur nicht mit Gott? Gott, den finde ich in einer Musik von Bach oder in der Predigt vom letzten Sonntag oder plötzlich und unerwartet, aber doch nicht in Ruhe am Sonntag.

 

Gott hatte gar nicht alles fertig nach 6 Tagen. Denn da heißt es nicht: Am siebten Tag vollendete er seine Werke. Sondern: am siebten Tag ruhte er. Die Ruhe ist die Vollendung dazu. Die Ruhe ist Teil des Werkeln, Teil des Tuns, Teil des Seins. Ohne Ruhe ist es nicht gut, ist nicht vollendet, was wir gemacht haben.

 

Weil betrachten, zurückblicken, ansehen und auch beurteilen zum Leben dazugehören; das unterscheidet uns Menschen von Arbeitsbienen, die nicht aufhören können, die nicht draufsehen, sondern nur zusehen können.

 

Deswegen gehört zum Sonntag immer auch das Reflektieren, das Nach-Denken, also hinterher bedenken, wir stürmen nie nur voran, sondern brauchen dieses Innehalten und Betrachten, Verstehen, Einordnen der Werke.

 

Jetzt denke ich unwillkürlich an meinen Terminkalender, in dem meine „Werke“ schön säuberlich mit Zeiten und Orten aneinandergereiht sind. Sie sind da ohne Pausen aneinander geschrieben. Essen kann man Ende des Monats und Urlaub wird überschätzt heißt es dann in großer Heiterkeit.

 

Jetzt denke ich, wie viele unvollendete Werke habe ich da eigentlich aufgereiht in meinem elektronischen Antreiber, wenn alles nur vollendet ist, wenn ich es in Ruhe betrachten kann?. Wie ist das bei ihnen? 90%, 60% nur 20% – work-live-balanced?

 

Genieß doch mal deinen Erfolg! Ja, du darfst auch mal durchhängen, wenn alles Mögliche schief läuft.

 

Ja, das dürfen wir, betrachten, was wir getan haben. Ja, das dürfen wir, Gutfinden, was gelungen ist. Ja, das sollen wir sogar, weil es dazu gehört. In der Politik würde man sagen, etwas hat faktisch gar nicht statt gefunden, wenn es nicht in der Zeitung stand. Im Leben heißt das vielleicht, etwas haben wir gar nicht erlebt, wenn es nicht in die Seele geschrieben ist, sondern nur äußerlich war.

 

Seelische Erbauung, ist das das richtige Wort dafür? Etwas in der Seele bauen, mit der Seele. Es ist jedenfalls etwas anderes, als die Seele baumeln zu lassen. Auch wenn das gewiß für manchen zum Sonntag gehört, gern und zu Recht. Seelische Erbauung, das ist der Begriff, den die Weimarer Reichsverfassung 1919 für die Sonntagsruhe fand, neben der Arbeitsruhe.

 

Wenn Christenmenschen dies in unseren Kirchen finden, ist das natürlich genau der richtige Ort und nichts wünsche ich mir mehr, als dass dies geschieht.

 

Seelische Erbauung. Ich muss kurz an unseren Kirchentagsgottesdienst zur Eröffnung auf der Reeperbahn denken. Seelische Erbauung, ja, da war so ein Gefühl, dass da etwas ganz besonderes geschieht. ….

 

III.

 

Heiligen ist Feiern

 

Jetzt wird es ernst. Jetzt kommt doch eine Aufgabe. Sonntag, Feiertag, erster Tag der Woche. Seelische Erbauung. Feiern.

 

Da fällt uns als erster der Gottesdienst ein, den wir feiern und das ist wahrlich gut so. Jedenfalls dann, wenn er wirklich ein Fest ist und nicht eine Ermahnung, wenn er wirklich Gemeinschaft stiftet und nicht Konkurrenz, wenn er heiter ist und nicht traurig. Dann wohl ja. Dann loben wir Gott in höchsten Tönen, mit Jubel und Schall.

 

Und wenn es doch zwei oder drei sind, die kommen und keine trifft den Ton? Ist das dann noch feiern?

 

Ist da irgendeine Freude? Feiern hängt wohl nicht ab von der Zahl derer die am Tisch sitzen.

 

Aber verlassen wir den Gottesdienst und fragen uns was das mit dem Feiern sonst heißen könnte. Jetzt sind wir hier keine Sonntagsagentur, die besonders schlaue Ratschläge hat, aber vielleicht können wir gemeinsam ein paar Gedanken nachhängen und damit hätten wir schon das erste. Sonntag, das ist nicht Konzentration, Sonntag, das ist nicht Termine einhalten, das ist nicht Zeit auspressen, sondern geschehen lassen. Feiern, das tut man nicht allein. Und es ist freilich gut, wenn viele um den Tisch sitzen und jedeR hat etwas mitgebracht, eine Geschichte oder ein Rosinenbrot, ein Lied oder eine unglaublich gute Idee.

 

Es sind sehr besondere Momente und manchmal enden sie im Reden über lauter Nebensächlichkeiten und manchmal im philosophischen Disput. In jedem Fall aber sind sie gemeinsam feiern, Anteil nehmen, Teilen. So ähnlich vielleicht wie die neuen Bewegungen, die allerlei teilen, aber eben vor allem auch Kontakte knüpfen zu Leuten, die einfach nur auf die Idee gekommen sind, das gleiche teilen zu wollen. Früher hätte man das womöglich kommunistische Verirrung genannt, heute teilt man Autos, Wohnungen, urbane Gärten, inzwischen zu viel gekaufte Nahrungsmittel und so fort. Ich habe noch immer Kontakt zu einer Familie aus Barcelona, einfach weil ich mal das Wohnungtauschen ausprobieren wollte.

 

Aber das Feiern durch Teilen hat noch eine andere Dimension. Es ist Sonntag und ich fange die Zeitung an, beim Feuilleton. Ich lese über Ausstellungen, die ich nie besuchen werde, über Bücher, die ich niemals lesen will, für die sich aber irgendwer begeistert. Ich lese im Reiseteil über eine Landschaft, die mich eigentlich nicht interessiert, ich lese sogar den Autotest und tauche ein in die Welt von Anderen. Ja und ich sehe Tatort. Ein Ritual einerseits, ein bisschen absichtliches Grauen, aber auch immer Eintauchen in eine andere Wirklichkeit.

 

Vor kurzem tauchte ich ein in so eine Welt. Ein Hafen hier im Norden. Lauter Boote, Kähne, Jachten, was man so hat, gekauft, geschenkt, geerbt, geborgt, wie auch immer.

 

Nun dachte ich Landratte, die vielen Menschen, die da auf ihren Booten sind, putzend, lesend, spielend, essend, rüber rufend, da dachte ich: das wird ja eng werden, da draußen, wenn die erst mal alle los gemacht haben. Aber so war es gar nicht. Es ging gar nicht ums Segeln oder Motorboot fahren. Es ging erst mal einfach ums da sein. Auf kleinstem Raum Zeit teilen, schwatzen, dem Einen der ausläuft beim Manövrieren zusehen. Schauen, ob die Wolken aufreißen. Entscheidungen treffen: Kuchen oder Eis? Es ging um eine Schiffstaufe mit Neuankömmlingen. Es ging ums Geschichten erzählen. Erlebtes und Erdachtes verschwimmen. Irgendwie geht es auch ums nahbar sein.

 

Hier ist es wie auf dem Dorf, nur noch viel enger. Morgens in der Dusche siehst du das Unterhemd der Nachbarin, ihr Tattoo und undrappierten Busen. Du weißt welche Zeitung der andere liest und was in den Topf kommt.

 

Es ist eine Welt, in die man nicht so schwer reinkommt. Ob man den Knoten kann oder nicht, ist nicht entscheidend. Erst mal ist wichtig, dass du auch da bist und damit Teil der Teilzeithafenbewohner. Hier gibt es nichts hektisches, außer da muss einem geholfen werden, beim Anlegen oder ein Gewitter kommt auf. Hier interessiert auch erst mal keinen, was du sonst so machst. Hier bist du eben Mensch, von morgens mit verknittertem Gesicht und abends glühend von Sonne und Wind. Hier sagen alle guten Morgen, aber niemand wird dich nicht in Ruhe lassen, wenn du mit dem Rücken zum Steg da sitzt. Hier kannst du Feiern, Sein, Leben. Gott.

 

Am Sonntag fließen die Gedanken so vor sich hin, ans andere Ufer, von dem aus ich schaue, wie der Strom fließt, in die andere Richtung. Haben Sie schon einmal versucht, ihre Gedanken rückwärts zu denken? Am Sonntag können wir aus der Zeit fallen, am Sonntag öffnen wir die Tür zu anderen Welten, am Sonntag erbauen wir in unseren Seelen Häuser für den weiten Blick und mit weiten Toren.

 

Feiern, das ist Müßiggang halten. Was für ein wunderbares Wort, es enthält das gehen und die Muße. Es gibt wohl kaum intensivere Gespräche als die, die im Rhythmus des Gehens erfolgen. Und wenn die Muße mit geht, ist das ein echtes Fest.

 

Feiern und in den See springen. Die Seele abkühlen, um nicht auszubrennen, im Wind stehen um durchzuatmen, ins Feuer schauen, um sich der Leidenschaft zu erinnern. Alles Tun ohne den Blick auf das Ergebnis.

 

Feiern ist Bremsen in der Beschleunigungsgesellschaft.

 

Der Sonntag, den wir immer mal wieder erstreiten müssen, zuletzt vor dem Bundesverfassungsgericht, der Sontag ist ein Geschenk der Christen an die Welt. Er ist für den Nächsten da und mal nicht fürs Networken. Er ist für dich da und nicht deine Funktion. Der Sonntag ist heilig, heilige dir also den Sonntag.

 

Heiligen, anschauen, unterbrechen feiern. Was für ein schöner Sonntag, sagte Joachim Gauck am Tag seiner Wahl zum Bundespräsidenten. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das oft sagen können, aus ganzem Herzen, egal wer Sie wozu gewählt hat, welche Tore sich öffneten, worin Sie ruhten oder was Sie in der Seele erbauten. Ich wünsche Ihnen Sonntage, die anders sind. Ich wünsche Ihnen, zuletzt und zuerst diesen Gott, den Sie am Sonntag einlassen, damit er ein dauerhafter Herz-Besetzer werde.

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