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Heimat & Haltung

Thüringen, das ist Heimat. In Friedrichroda, am Großen Inselberg, bin ich geboren. In Gotha aufgewachsen, da besaßen meine Eltern eine Tanzschule – damals in der DDR. Als Jugendliche hörte ich immer, der Sozialismus in der DDR müsste eigentlich gut funktionieren, wenn man alles nur ein wenig vernünftiger, besser und freier machen würde. Grau ist alle Theorie, der Alltag sah anders aus. Meine Mutter durfte kein Abitur machen und nicht studieren, weil sie zur Jungen Gemeinde ging. Sie blieb dabei. Dass Haltung mehr ist, als mit geradem Rücken durchs Leben zu gehen, habe ich von ihr gelernt. Sich nicht beirren lassen, für die eigene Überzeugung einstehen, auch bei Gegenwind – das ist weiter mein Kompass.

Nachbarschaftlich und vor allem: echt.

Wenn ich in Berlin bin, wohne ich im Wedding. Viele sagen immer: „Der Wedding kommt!“, und meinen damit, da müsse bald was passieren, der sei noch nicht hip genug. Für mich ist der Wedding längst da: nachbarschaftlich, vielfältig und bunt, manchmal ein bisschen rau. Vor allem echt. Und übrigens sehr grün. Die Laufstrecke an der Panke entlang kann ich empfehlen.

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Familie, laut und groß

Thüringen ist auch Familie. Ich habe zwei Söhne und die haben drei ältere Halbgeschwister, bin Großmutter. Die Tage, an denen wir alle, Familie und Freunde, am großen Tisch zusammen kommen, essen, reden, lachen – das sind mir die liebsten. Oft ist das politische Berlin dann sehr weit weg, aber manchmal passiert hier auch „große“ Politik. So wie bei der kleinen grünen „Familien-Revolution“, die bei mir im Garten von Ingersleben begann. Dort hatte die grüne Botschaft „Familie ist, wo Kinder sind“ ihre Geburtsstunde. Und Familienpolitik, nicht mehr länger spießbürgerlich, rückte als „Politik für Kinder“ ins Zentrum grüner Politik.

Glaube & Freiheit

Wie meine Mutter ging ich selbst zur Jungen Gemeinde, das war ein Freiraum. Hier konnte ich sagen, was ich denke; hier habe ich diskutieren gelernt. Aus dieser Zeit stammt auch eine Kette mit einem kleinen Kreuzanhänger, die ich noch heute gern trage. In der Schule wurde damals verlangt, das Kreuz nicht offen zu tragen. Für mich war das merkwürdig, als sollte ich einen Teil meiner Persönlichkeit ablegen. Die Möglichkeit, die Symbole des eigenen Glaubens offen tragen zu können, ist für mich auch ein Gradmesser der Freiheit, in der wir leben. Die letzten, die mir vorschreiben wollten, wie ich zu leben habe, waren mein Vater und Erich Honecker. Beide haben es nicht geschafft.

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Berufswunsch: Lehrerin

Bücher waren damals mein Ding. Als ich 16 war, wollte ich Deutschlehrerin werden. Meine Lehrerin nahm mich eines Tages zur Seite: „Du kannst nicht Lehrerin werden. Das eine glauben und den Kindern ein Leben lang das andere erzählen, dass schaffst du nicht.“ Es hat eine Weile gedauert, aber dann wurde mir klar: Sie hat recht. Das war für viele Menschen in der DDR Alltag, sich verleugnen, unterschiedliche Dinge zu Hause und in der Öffentlichkeit sagen. Aber man kann sich nicht dauerhaft verstellen.

Tschernobyl hat mich politisiert

Fragt man mich heute nach dem Tag, an dem sich alles geändert hat, würde ich sagen: April 1986, Tschernobyl. Anders als heute, gab es nicht „den einen Tag“ an dem ich vom GAU erfuhr. In den DDR-Nachrichten war die Katastrophe erst Tage später eine Randnotiz. Alles, was wir wussten, kam aus dem „Westfernsehen“ – ARD und ZDF. Aber so viel mehr wussten die auch nicht. Unter Freunden, in der Kirche, haben wir in diesen Tagen viel geredet und Informationen ausgetauscht. Nach und nach war klar: keine Pilze essen, keinen Salat, kein Wild und so weiter. Solche Informationen haben wir dann gesammelt, weitergegeben. Der GAU hat viele meiner Generation tief erschüttert und war zugleich ein Aufbruchsignal. Was kann noch alles schief gehen? Was wird noch alles verheimlicht und vertuscht? Die Umweltbewegung in der DDR, kirchliche Oppositionsgruppen – sie alle bekamen Zulauf.

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Klar grün

Die Grünen und ich – das war Liebe auf den zweiten Blick. Sie hält nun seit mehr als 25 Jahren. Angefangen mit der Politik habe ich 1989 beim Demokratischen Aufbruch und fand dann bei Bündnis 90 meine politische Heimat. Mir war schnell klar, dass ich diese Mischung aus Freiheit und ökologischer Verantwortung, die Lust auf Debatten nur bei Bündnis 90/Die Grünen finde. Meine Partei duckt sich nicht vor schwierigen Fragen weg und richtet den eigenen Kompass immer wieder klar aus. Und gerade das macht die Grünen als Programmpartei heute umso wichtiger, in der die Angstmacher unsere Gesellschaft verändern wollen. Wie in jeder echten Beziehung, war das Verhältnis zwischen mir und meiner Partei nicht immer einfach. Auch deshalb hab ich die Urwahl 2013 als eine Art Liebeserklärung meiner Partei erlebt.

Das Neue fängt gemeinsam an

Ich werde heute oft gefragt, ob mir die Veränderungen in unserem Land keine Angst machen. Die Flüchtlinge, die Gefahr von Anschlägen, die innere Sicherheit. Ob ich nicht auch daran zweifele, dass wir es als Land, als Gesellschaft schaffen, die Flüchtlinge zu integrieren. Ich sehe, dass sich unser Land ändert. Aber das macht mir keine Angst. Denn Deutschland ist mehr als ein verunsichertes Land, wir haben schon viel geschafft.

Mir ist klar, dass sich vieles nicht sofort lösen lässt, es werden nicht über Nacht alle Flüchtlinge Facharbeiter und ausreichend bezahlbare Wohnungen sind auch nicht morgen fertig gebaut. Aber ich will anpacken statt Angst haben. Ich rede mit Leuten, gucke, was gebraucht wird, und fange an. Ich bin und bleibe zuversichtlich. Und das liegt auch daran, dass ich schon einmal in meinen Leben die Erfahrung gemacht habe, dass Veränderung mehr Freiheit bringt. Dass es gut wird, wenn man es gut macht. Gemeinsam.

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