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Liebe aufrechte Demokratinnen und Demokraten in Arnstadt,
Ich kann leider heute nicht persönlich unter Ihnen sein und gegen die dumpfen Parolen der Nazis demonstrieren. Ich will Ihnen aber sehr gerne meine volle Unterstützung aus Berlin zusichern: Sie haben sich heute hier in Arnstadt versammelt, um zu zeigen, dass in Thüringen kein Platz für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und rückwärtsgewandtes, geschichtsrevisionistisches Denken ist. Sie wollen ein demokratisches, weltoffenes und tolerantes Arnstadt und stellen sich den Rechtsextremen in den Weg! Ich kann das nur in jeder Hinsicht begrüßen!
Die Rechtsextremen nehmen sich den morgigen Volkstrauertag zum Anlass um heute in Arnstadt zu demonstrieren. Für sie gibt es aber keinen Volkstrauertag. Für die Rechtsextremen heißt er „Heldengedenktag“! Während der Volkstrauertag für uns als Demokraten einer der stillen Tage ist und wir an ihm den unzähligen Kriegstoten und Opfern der Gewaltherrschaft aller Nationen gedenken, feiern die Rechtsextremen ihre Kriegshelden. Erst vor wenigen Tagen jährte sich die sogenannte Reichspogromnacht zum 71. Mal. Jener Tiefpunkt der deutschen Geschichte an dem die systematische Verfolgung jüdischer Menschen durch das nationalsozialistische Regime seinen Anfang nahm. Diese Grausamkeiten von damals müssen wir uns immer wieder vor Augen führen. Wir dürfen nicht zulassen, dass rechtsextremes Gedankengut sich wieder in der Mitte unserer Gesellschaft verankert!
Die Nazis wollen ausgrenzen und Andersdenkende einschüchtern. Zeigen Sie das sie das nicht wollen: Heute und hier und an allen anderen Tagen. Als Demokraten können wir rassistische Parolen nie hinnehmen! Zeigen Sie täglich, was für eine Gesellschaft Sie wollen und wer mit seinen Parolen darin keinen Platz hat. Protestieren Sie, wenn jemand rechte Sprüche klopft, gehen Sie in Zeitungsläden und fordern Sie dort, rechte Zeitungen nicht länger zu verkaufen, engagieren Sie sich in Kirchen, Vereinen, Bürgerinitiativen und Parteien. Und es gibt noch viel mehr, was man gegen rechte Parolen tun kann. Wichtig ist, dass man aktiv bleibt: Heute hier und auch an jedem weiteren Tag. Gegen Rechts sein, heißt vor allem, für unsere Demokratie einzutreten. Das muss uns jeden Tag bewusst sein!
Es grüßt Sie aus Berlin,
Katrin Göring-Eckardt