Katrin Goering-Eckardt MdB

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24. September 2009

Statement zur Eröffnung der Zukunftswerkstatt der EKD in Kassel

Filmmitschnitt der Eröffnungsrede von Katrin Göring-Eckardt

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder

Wie wunderbar das ist, wir alle hier: Mehr als 1000 Vertreterinnen und Vertreter der Landeskirchen sind hier zusammengekommen. Gemeinsam wollen wir uns in diesen drei Tagen über den zurückgelegten Weg im Reformprozess der evangelischen Kirche austauschen und einen Blick auf den zukünftigen Weg werfen. Ich bin sicher: Das wird spannend und intensiv, ich hoffe, es wird gestritten und ich bin froh, dass auch gefeiert werden wird.

Ich freue mich, dass Sie aus allen Teilen der Republik hier nach Kassel gekommen sind. Ich freue mich über die Teilnehmenden aus Westoverledingen und Rosenheim, aus Ohlweiler und Waldhufen, aus Neufrankenroda, Saalfeld und Zwota. Und wie ich hörte, sind auch Teilnehmende aus München, Hamburg, Düsseldorf, Berlin und sogar einige aus Hannover angereist, - auch Sie mit allen anderen zusammen: seien Sie herzlich willkommen in unserer Zukunftswerkstatt!

Ich freue mich auch, dass sich viele junge Menschen an dieser Zukunftswerkstatt beteiligen: Der Jüngste, habe ich mir sagen lassen, ist gerade 16 Jahre alt. Da aber Jugend kein Alter kennt, kann ich auch sagen: Der älteste Jugendliche dieser Zukunftswerkstatt ist 75 Jahre alt, Sie beide und damit Sie alle, seien Sie willkommen! An dieser Stelle auch einen besonderen Dank an die, die in den letzten zwei Jahren besonders intensiv daran gearbeitet haben, dass wir heute hier sein können, die in den Gemeinden, aber auch in den Kirchenleitungen mit geholfen haben, dass solch eine Zukunftswerkstatt stattfinden kann. Und ganz herzlichen Dank auch an die im Kirchenamt, die sozusagen dauernd Schrauber und Bohrer in der Hand halten, damit  nicht nur der Reformweg unserer Kirche voran geht, sondern damit wir auch voneinander wissen, damit wir mitunter angetrieben werden und dass es immer wieder eine neue Idee gibt, für die Zukunft unserer so reichen Kirche.

Wenn wir als evangelische Kirche solch eine große Zukunftswerkstatt veranstalten, dann laden wir auch Freunde und Verwandte ein: Politikerinnen und Politiker, die sich als evangelische Christen für die Belange ihrer Kirche ebenso einsetzen wie sie sich für die Gesellschaft engagieren. Und gerade weil Wahlkampf ist und jeder von uns größtes Verständnis dafür hat, dass sich Politikerinnen und Politiker in diesen Tagen zuvörderst um ihren Wahlkampf kümmern müssen, zeigt sich hier, dass Wahlkämpfe nicht alles sind, dass das, was wir hier tun, eben in jedem Fall wichtig ist und bleibt, auch über diesen Sonntag hinaus. Sicher ein erleichternder Gedanke für manchen. Darum begrüßen Sie mit mir herzlich Herrn Bundesminister des Innern, Dr. Wolfgang Schäuble, und Herrn Ministerpräsident Roland Koch.

Nicht nur aus allen Teilen Deutschlands sind Menschen hierher gereist, wir haben auch Besuch aus vielen Ländern Europas bekommen. Das ist besonders wichtig, weil wir den Reformprozess ja bewusst in ökumenischer und internationaler Perspektive verstehen wollen. Da ist es gut, Gäste zu empfangen und voneinander zu lernen:  aus Frankreich und Österreich, aus Norwegen, Island, und Italien, aus den Niederlanden und der Schweiz. Stellvertretend für Sie alle möchte ich den Präsidenten der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Herrn Thomas Wipf, unter uns begrüßen. Seien sie herzlich willkommen!

Wir wollen in diesen Tagen in Kassel den bereits zurückgelegten Weg ins Offene und Neue bedenken, die Vielzahl und Unterschiedlichkeit, vor allem das Innovative der Projekte wahrnehmen und gemeinsam eine Perspektive des Handelns bis in das Jahr 2017 weiterentwickeln. Man kann dies aber alles nur, wenn man auch herzlich aufgenommen  wird; deswegen will ich auch dies unterstreichen: Die Stadt Kassel hatte ja auch eine besondere Aktion in diesem Sommer: Rent a Pastor hieß die, ohne zu wissen, ob sie das genutzt haben: Herzlichen Dank an den Oberbürgermeister Bertram Hillgen und all die vielen Menschen vom Straßenverkehrsamt bis zur Ortspolizei, von den Mitarbeitenden im Stadtpalais bis zu den vielen Kirchgemeinden, die uns hier aufgenommen haben.

Manche haben gefragt, ob denn die Zukunftswerkstatt wirklich eine Zukunftswerkstatt sei, mit den besonderen Spielregeln, die solch eine Veranstaltung hat. Nein, in diesem strengen Sinne erleben Sie keine Zukunftswerkstatt, sondern eine neue Form der Zusammenkunft: Diese Zukunftswerkstatt ist eine Art Fachmesse, eine Lerngemeinschaft, ein allerdings sehr gut besuchter Studienaufenthalt, es ist ein Kongress der Initiativen, sie ist Stuhlkreis und Event zugleich, ein gemeinsamer Ausblick auf unser Jubiläumsjahr 2017 und nicht zuletzt ein schönes Fest, das sich über die in der Reform schon erreichten Ziele freuen kann. Denn es ist doch wie sonst auch im Leben: Nur wenn man in allem Engagement zwischenzeitlich auch mal anhalten kann, eine Zwischenbilanz ziehen kann und auch dankbar sehen und sagen kann: Bis hierher hat uns Gott gebracht, nur dann finden sich Kräfte für die nächsten Schritte und für eine nachhaltige Dynamik.

Als Teil des Volkes Gottes sind wir als evangelische Kirche auf dem Weg. Ein kleiner Schritt auf diesem Weg ist diese Zukunftswerkstatt. Als ich einen ersten Überblick über das Programm der Zukunftswerkstatt sah, dachte ich spontan: An Kreativität und Einfallsreichtum mangelt es im Protestantismus ganz bestimmt nicht. Ich wünsche darum uns allen voller Freude und von Herzen, dass wir diese Tage in Kassel als Ermutigung erfahren und gestärkt nach Hause fahren können. Dafür erbitte ich Gottes Segen. Und sage nun: Die Zukunftswerkstatt ist eröffnet!

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