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"Zwanzig Jahre danach - Wie haben Sie den Herbst 1989 im Osten/Westen Deutschlands in persönlicher Erinnerung?"
Wenn heute nach dem Herbst 1989 gefragt wird, dann geht es oft ganz schnell: Ja, damals, als die Mauer fiel. Der 9. November 1989 als Kernpunkt der friedlichen Revolution? Ursprünglich habe ich gedacht, dass diese Haltung eher im Westen anzutreffen ist, denn die Menschen im Osten wissen es ja eigentlich besser. Doch mittlerweile gilt der Tag des Mauerfalls auch hierzulande als das selbstverständliche Chiffre der ersten friedlichen und erfolgreichen deutschen Revolution.
Natürlich war die Nachricht vom Mauerfall etwas Großartiges, auch wenn ich nicht zu denen gehörte, die gleich am Abend oder am nächsten Tag "nach drüben" gefahren sind. Doch genauso eindrücklich waren die beinahe berstenden Kirchen, die Stimmung, die von dort durch die Städte getragen wurde. Frustration mischte sich mit Hoffnung, konkrete Veränderungswünsche mit gesellschaftlicher Vision. Die Menschen legten ihre Angst ab, und das nicht nur in den großen und anonymen Städten, auch in den kleinen, dort wo fast jeder jeden kannte. Dieser Mut, der Wille zur Veränderung und der Aufbruchsgeist von damals könnte auch heute noch für einen demokratischen Vitaminschub sorgen, der unserer Gesellschaft gut zu Gesicht stehen würde.
Denn manches ging doch schon arg schnell, ohne dass unsere Gesellschaft richtig zur Besinnung kommen konnte. Mancher Gedanke wurde kaum ausgesprochen, manche Vision nicht diskutiert und so manch gute Idee von 1990 hatte keine Chance, Realität zu werden. Eben noch mussten die Dissidenten in der DDR mit uralten Schreibmaschinen und Blaupausen ihre Forderungen vervielfältigen und schon fünf Jahre später werden eMails durch ein längst wiedervereintes Land geschickt. Spätestens heute, 20 Jahre später, sollte das Jubiläum der friedlichen Revolution auch die Chance bedeuten, dass sich Alt und Jung zusammensetzen und fragen, was der vielbeschworene Geist von 1989 uns heute noch zu sagen hat.
| Gastbeitrag für die Mitgliederzeitschrift des Deutschen Journalisten-Verbandes Hessen/Thüringen |