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Sie lesen täglich die Herrenhuther Losungen - heute heißt es: Der Herr will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann Buße tut." Wann haben Sie das letzte Mal Buße empfunden?
Göring-Eckardt: Wir tun uns heute schwer mit dem Wort Buße. Aber wenn man es übersetzt, heißt es eigentlich Umkehr und da kann ich sagen: Es gibt Dinge, wo ich um Verzeihung zu bitten und mich zu entschuldigen habe. Das passiert mir häufig.
Man sagt Protestanten gerne nach, dass die Büßerhaltung eine ihrer liebsten Posen ist. Sind Evangelische griesgrämig?
Göring-Eckardt (lacht): Nein.
Worauf freuen Sie sich beim Kirchentag am meisten?
Göring-Eckardt: Darauf, dass ich einfach herumlaufen und mit Leuten ins Gespräch kommen kann.
Gibt es Dinge, die Ihnen am Kirchentag auf die Nerven gehen?
Göring-Eckardt: Ich kenne die Spötteleien: Halstücher, Birkenstocksandalen und so weiter. Ich muss sagen: Ich genieße das, es hat etwas von einer Insel. Aber in Wirklichkeit lässt sich der Kirchentag nicht in eine Schublade stecken, dazu ist er viel zu bunt. Der Kirchentag hat etwas von einem Fest und ist insofern eine Ausnahmesituation. Und das genieße ich.
Sie werden mit Bischöfin Margot Käßmann über Freiheit und Demokratie reden. War die DDR ein Unrechtsstaat?
Göring-Eckardt: Auch wenn es in der DDR ein Baurecht oder ein Arbeitsrecht gab - alles das konnte, wenn es die Diktatoren der Diktatur wollten, aufgehoben werden. Deshalb ist für mich der Satz "Die DDR war kein Unrechtsstaat" absurd.
Nach Ihrer Präses-Wahl haben Sie gesagt, Kirche solle sich nicht so sehr politisch äußern.
Göring-Eckardt: Im Gegenteil. Natürlich müssen sich Christinnen und Christen politische äußern. Nicht unbedingt im Klein-Klein der Tagespolitik. Aber wenn es um Fragen der Bewahrung der Schöpfung geht oder um Gerechtigkeit, sind wir gefragt. Und da kann es auch um den Pflegesatz gehen.
Wie lernt man glauben? Hatten Sie ein Erweckungserlebnis?
Göring-Eckardt: Ich war in einer wunderbaren jungen Gemeinde, und die hat mich glauben gelehrt, ebenso wie Christenlehre und Konfirmandenunterricht.
Fürchten Sie, dass Sie eines Tages aufwachen und denken: Stimmt alles nicht, das Universum ist kalt und leer.
Göring-Eckardt Ist mir noch nicht passiert. Vielleicht geschieht das eines Tages. Ich warte drauf. Generell gilt: Zweifel gehört zum meinem Glauben.
Sie haben mal gesagt, Sie haben keine Angst vor dem Tod. Glauben Sie an die Auferstehung der Toten?
Göring-Eckardt: Ja, ich glaube daran, dass unsere Toten bei Gott geborgen sind und hoffe für mich auf diese Geborgenheit. Wie das konkret aussehen wird, können wir jetzt noch nicht wissen. Aber die Hoffnung darauf kann uns tragen.
Was wünschen Sie der evangelischen Kirche?
Göring-Eckardt: Dass sie in Klarheit und Fröhlichkeit so ihren Glauben bezeugt, dass sich immer wieder Menschen einladen lassen mitzuglauben.
Was wünschen Sie sich von der evangelischen Kirche?
Göring-Eckardt: Aufgehoben, zu Hause zu sein.