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21. April 2009

Starke Kultur braucht einen starken Staat

Wenn wir eines aus der Finanzkrise gelernt haben, dann wohl dies: Der Staat ist auch in Zeiten der Globalisierung kein Auslaufmodell. Das gilt gerade auch für die Kultur. Man stelle sich vor, die Orchester, Theater und Museen in Deutschland wären alle von privaten Geldgebern abhängig. Dann hätten viele nach den Pleiten schließen müssen. Tatsächlich ist ja gerade dort, wo kulturelle Einrichtungen viel stärker als in Deutschland auf Fundraising und private Förderer angewiesen sind, das kulturelle Angebot massiv bedroht. In New York zum Beispiel müssen Museen das Personal reduzieren und ganze Ausstellungen absagen, weil dort ein wichtiger Förderer war. In Deutschland ist die Lage zum Glück nicht so dramatisch, was an unserer ausgesprochen starken öffentlichen Kulturförderung liegt.

Natürlich ist privatwirtschaftliches Engagement für die Kultur absolut wünschenswert. Zugleich müssen wir aber vorsichtig sein. Denn die Erwartung der Politik in Richtung Wirtschaft darf nicht bedeuten, dass sich die Politik immer mehr aus ihrer kulturellen Verantwortung zurückzieht und in einer "freundlichen Übernahme" die Privatwirtschaft  die Kulturförderung übernimmt. Wie die Finanzkrise gezeigt hat, würde dies eine unverantwortbare Unsicherheit für die Kulturinstitutionen zur Folge haben. Auch in Deutschland zeichnet sich ja gerade ab, dass wegen der Finanzkrise weniger privates Geld in die Kultur fließen wird. Dass deshalb keine der großen Kulturinstitutionen existenziell bedroht, spricht für ein richtiges Verhältnis von öffentlicher und privater Kulturförderung hierzulande.

Nichtsdestotrotz kann natürlich noch manches dafür getan werden, um privatwirtschaftliches Engagement für die Kultur zu stimulieren. Weniger Bürokratie beim Sponsoring und weniger Papierkram bei der Gründung von Stiftungen zum Beispiel wären sicherlich wünschenswert. Es gibt genügend Unternehmer in Deutschland, die kulturbegeistert sind und die Künstler und Kulturschaffende ohne direktes Werbeinteresse unterstützen. Ohne die vielen Stiftungen und Stipendien gäbe es kein so vielfältiges und lebendiges Kulturleben.

Doch müssen wir auch die Stimmen von Künstlern ernst nehmen, die sich immer öfters von Sponsoren vereinnahmt und als "Werbefläche" missbraucht fühlen. Die Kritik des Schriftstellers Ingo Schulze an einem neuen Feudalismus war da nur die prominenteste und prägnanteste Äußerung. Doch die Gefahr der Vereinnahmung besteht – umso wichtiger ist für eine lebendige und freie Kultur auch aus diesem Grunde ein starker Staat, der seinerseits nicht die Muskeln spielen lässt, sondern die Freiheit der Künstler und ihr – auch gesellschaftliches – Innovationspotenzial in den Mittelpunkt stellt.

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